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Wie wird Lending in Deutschland versteuert?

Kurz gesagt

Wenn du Krypto verleihst, veräußerst du es nicht: Du überlässt deine Token gegen Zinsen zur Nutzung, egal auf welcher Chain. Sie behalten ihr Anschaffungsdatum und ihre Kosten, und die Jahresfrist läuft weiter. Steuerpflichtig sind die Zinsen: Sie sind Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG, zu ihrem Euro-Wert, wenn sie dir zufließen, spätestens am Ende jedes Jahres. Bleiben deine Einkünfte dieser Art im Jahr zusammen unter 256 €, Staking-Belohnungen eingeschlossen, zahlst du darauf keine Steuer.

Leihst du dir selbst Token gegen eine Sicherheit, ist das kein Einkommen: Die geliehenen Token gelten als zu ihrem Marktwert angeschafft, und die Rückzahlung veräußert die Token, mit denen du zurückzahlst. Wird deine Sicherheit liquidiert, ist das ein Verkauf nach § 23 EStG.

Stand:

Was ist Lending?

Beim Lending verleihst du Token an andere, die sie sich gegen eine Sicherheit leihen, und bekommst dafür Zinsen. Das BMF-Schreiben sagt es so: Kryptowerte werden gegen eine Vergütung zur Nutzung überlassen (Randnummer 26). Wer sich etwas leiht, hinterlegt dafür selbst Token als Sicherheit, die mehr wert sind als der Kredit. Fällt ihr Wert zu weit, wird die Sicherheit liquidiert.

Wo du verleihst, ändert, wie die Zinsen zu dir kommen, nicht, wie sie besteuert werden. Es gibt drei Wege:

Ein PoolKamino, marginfi, Jupiter Lend, Aave
Du verleihst in einen Pool, aus dem andere sich gegen Sicherheit Token leihen. Dafür bekommst du einen Beleg, etwa einen aToken bei Aave oder einen Anteil in deinem Konto bei marginfi, der mit den Zinsen wächst. TaxMaxi liest den Beleg als Anspruch auf dieselben Token, nicht als Tausch (Randnummer 26).
Ein VaultKamino Vaults
Ein Vault verleiht deine Token für dich an mehrere Pools und gibt dir Anteile dafür. Solange er dieselben Token zurückgibt, liest TaxMaxi die Einzahlung wie die in einen Pool: verliehen, nicht verkauft.
Lending auf einer BörseBinance, Bitfinex, Bybit
Die Börse verleiht deine Token für dich und schreibt dir die Zinsen gut. Sie sind Einkünfte an dem Tag, an dem sie dir gutgeschrieben werden, zu ihrem Kurs an diesem Tag (Randnummer 65).

Für die Steuer zählt nicht die Chain, sondern was mit deinen Token geschieht: Verliehen ist nicht verkauft, Zinsen sind Einkünfte, ein Kredit ist eine Anschaffung, seine Rückzahlung eine Veräußerung.

Ein Beispiel in Euro

Am Beispiel von USDC, mit ETH, SOL oder einem anderen Token rechnet es sich genauso: Du kaufst im Juni 2024 2.500 USDC, verleihst sie am 5. Juli in einen Pool und hebst am 31. Dezember 2025 alles mit den Zinsen ab. Die Zinsen werden nicht ausgezahlt, sie lassen deinen Beleg wachsen; deshalb zählen sie an jedem Jahresende. Die Euro-Werte sind angenommen. So rechnet TaxMaxi die Zinsen:

  1. 1. Juni 2024Kauf von 2.500 USDC für 2.330,00 €
  2. 5. Juli 2024Verliehen: 2.500 USDC, keine Veräußerung
  3. 31. Dezember 2024Jahresende: 110,88 USDC Zinsen gewachsen, Wert 106,50 €
  4. 31. Dezember 2025Abgehoben: 2.610,88 USDC zurück, keine neue Anschaffung
  5. 31. Dezember 2025Zinsen beim Abheben: 129,745717 USDC, Wert 110,50 €

Zinsen 2024

Zinsen 110,88 USDC zum Jahresende, zum Kurs vom 31. Dezember 2024
106,50 €
Einkünfte 2024 unter der Freigrenze von 256 €
106,50 €

Zinsen 2025

Zinsen 129,745717 USDC beim Abheben am 31. Dezember 2025
110,50 €
Einkünfte 2025 unter der Freigrenze von 256 €
110,50 €

Die Zinsen jedes Jahres bleiben unter der Freigrenze von 256 € für Einkünfte wie diese. Sind sie zusammen mit Staking-Belohnungen und anderen Einkünften nach § 22 Nr. 3 EStG deine einzigen im Jahr, zahlst du darauf keine Steuer. Ab 256 € ist der ganze Betrag steuerpflichtig, zu deinem persönlichen Steuersatz.

Gerechnet von der Steuer-Engine von TaxMaxi, nach denselben Grundsätzen wie für dein Wallet.

Lending auf deiner Chain

Wie ein Protokoll deine Einzahlung führt, ob sich der Stand am Jahresende nachlesen lässt und wann TaxMaxi bei dir nachfragt, steht auf der Seite des Protokolls, mit einer echten Einzahlung aus einem öffentlichen Wallet.

Weitere Themen: Bridges, Staking. Alle Themen auf einen Blick: DeFi-Steuern in Deutschland.

Die rechtliche Grundlage

Ob Lending Steuer kostet, regelt das Einkommensteuergesetz (§ 22 EStG und § 23 EStG). Wie die Finanzämter das auf Kryptowerte anwenden, hat das Bundesministerium der Finanzen in einem Schreiben vom 6. März 2025 festgelegt; daran sind sie gebunden. Es gilt für jede Chain gleich.

Das Schreiben ist in nummerierte Absätze gegliedert, die Randnummern heißen. Bei jedem Grundsatz unten steht, wo er nachzulesen ist; ein Klick öffnet das Schreiben an der Stelle.

  1. 1

    Verliehene Token

    Verleihst du Token an ein Lending-Protokoll, überlässt du sie zur Nutzung und veräußerst sie nicht. Sie behalten ihr Anschaffungsdatum und ihre Kosten. Der Beleg-Token, den du dafür erhältst, ist nur dein Anspruch auf dieselben Token, kein zweiter Token, und was von den verliehenen Token zurückkommt, ist keine neue Anschaffung.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummern 26 und 65

  2. 2

    Zinsen aus Lending

    Zinsen aus Lending sind Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG zu ihrem Marktwert beim Zufluss, und jeder Zins-Token beginnt ein eigenes Anschaffungsdatum. Wachsen die Zinsen nur im Kurs deines Beleg-Tokens, zählen sie spätestens am Ende jedes Jahres, zum Kurs des 31. Dezember, und der Rest, wenn du die Token abhebst.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummern 43, 48a, 54 und 65

  3. 3

    Die Freigrenze für Einkünfte

    Einkünfte aus sonstigen Leistungen nach § 22 Nr. 3 EStG sind steuerfrei, wenn sie im Jahr unter 256 € bleiben.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummer 45

  4. 4

    Ein Jahr Haltedauer

    Das Jahr läuft vom Tag der Anschaffung bis zum Tausch, und mit jedem Tausch beginnt es für den erhaltenen Token neu. Eine Verlängerung auf zehn Jahre gibt es nicht.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummern 55 und 63

  5. 5

    Kredite aufnehmen

    Geliehene Token gehören dir zur Nutzung: Du kannst sie ausgeben oder tauschen. Bei der Aufnahme werden sie zu ihrem Marktwert angeschafft, mit eigenem Anschaffungsdatum. Einkünfte sind sie nicht.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummern 43 und 54

  6. 6

    Kredite zurückzahlen

    Zahlst du einen Kredit zurück, veräußerst du die zurückgezahlten Token zu ihrem Marktwert. Bei einem Stablecoin-Kredit ergibt das kaum einen Gewinn oder Verlust, bei einem schwankenden Token kann es einen geben. Was du über den geliehenen Betrag hinaus zurückzahlst, sind die Zinsen: Sie werden genauso veräußert und sind private Kosten, die nirgends abgezogen werden.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummern 53, 54 und 58

  7. 7

    Liquidation

    Nimmt ein Liquidator deine Sicherheit, weil dein Kredit zu groß geworden ist, veräußerst du sie. Der Erlös ist der Wert der Schuld, die der Liquidator damit getilgt hat; sein Aufschlag ist dein Verlust. Liegt die Anschaffung weniger als ein Jahr zurück, zählt der Gewinn oder Verlust.

    Nachzulesen im BMF-Schreiben, Randnummern 53, 54 und 58

Häufige Fragen

Ist Lending steuerpflichtig?

Das Verleihen selbst nicht: Du überlässt deine Token zur Nutzung (Randnummer 26) und veräußerst sie nicht. Steuerpflichtig sind die Zinsen: Sie sind Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG, zum Marktkurs, wenn sie dir zufließen (Randnummer 65). Steuer zahlst du darauf erst, wenn deine Einkünfte dieser Art im Jahr zusammen 256 € erreichen. Verkaufst oder tauschst du die Zinsen später, zählt ein Gewinn darauf innerhalb eines Jahres nach § 23 EStG.

Muss ich Zinsen versteuern, die ich nicht abgehoben habe?

Ja, spätestens am Jahresende. Viele Protokolle zahlen keine Zinsen aus, sondern lassen deinen Beleg wachsen. Das BMF-Schreiben zählt Einkünfte aus Lending, wenn sie dir zufließen (Randnummer 65), und was du noch nicht abgeholt hast, spätestens zum Ende des Jahres (Randnummer 48a). TaxMaxi liest deshalb den Stand jedes 31. Dezember. Wo die Blockchain ihn nicht mehr zeigt, zählt es die Zinsen beim Abheben und vermerkt das im Bericht.

Wie hoch ist die Freigrenze für Zinsen aus Lending?

256 € im Jahr, für alle Einkünfte aus sonstigen Leistungen nach § 22 Nr. 3 EStG zusammen, also Zinsen aus Lending, Staking-Belohnungen und Ähnliches (Randnummer 45). Es ist eine Freigrenze, kein Freibetrag: Bleibst du darunter, ist alles steuerfrei; erreichst du 256 €, ist der ganze Betrag steuerpflichtig. Die 1.000 € für Gewinne aus privaten Veräußerungen sind eine eigene Grenze.

Verlängert Lending die Haltefrist auf zehn Jahre?

Nein. Für Currency und Payment Token wie ETH oder SOL schließt das BMF-Schreiben die zehn Jahre aus (Randnummer 63). Für die verliehenen Token läuft die Jahresfrist ab dem Kauf weiter, auch während sie verliehen sind; nach mehr als einem Jahr ist ein Verkauf steuerfrei. Jeder Zins hat seine eigene Jahresfrist, ab dem Tag, an dem er dir zufließt. Für Token, die du ab 2027 anschaffst, soll die Haltefrist laut einem Entwurf des Finanzministeriums wegfallen: Was sich ab 2027 ändern soll.

Ist der Beleg-Token ein Tausch?

TaxMaxi liest ihn nicht so. Für deine Einzahlung bekommst du oft einen Token wie aEthWETH bei Aave oder jlUSDC bei Jupiter Lend. Er ist nur dein Anspruch auf dieselben Token samt Zinsen, kein zweiter Token: Die verliehenen Token behalten ihr Anschaffungsdatum, und was davon zurückkommt, ist keine neue Anschaffung. Das BMF-Schreiben sagt zu solchen Token nichts ausdrücklich. Verkaufst oder verschickst du den Beleg selbst, ist das etwas anderes; dann fragt TaxMaxi dich, was passiert ist.

Was passiert steuerlich, wenn ich mir Token leihe?

Die geliehenen Token gehören dir zur Nutzung: Du kannst sie ausgeben oder tauschen. Bei der Aufnahme gelten sie als zu ihrem Marktwert angeschafft, Einkünfte sind sie nicht. Zahlst du zurück, veräußerst du die Token, mit denen du zurückzahlst. Bei einem Kredit in USDC ergibt das kaum einen Gewinn oder Verlust, bei einem schwankenden Token kann es einen geben. Was du über den Kredit hinaus zurückzahlst, sind Zinsen: private Kosten, die nirgends abgezogen werden. Das BMF-Schreiben sagt zum Kredit nichts ausdrücklich; TaxMaxi folgt dem, was es für die Anschaffung und den Tausch sagt.

Was gilt bei einer Liquidation?

Wird dein Kredit zu groß für deine Sicherheit, nimmt ein Liquidator einen Teil der Sicherheit und tilgt dafür einen Teil deiner Schuld. Steuerlich verkaufst du die genommenen Token, und der Erlös ist der Wert der getilgten Schuld; der Aufschlag des Liquidators ist dein Verlust. Liegt der Kauf der Token weniger als ein Jahr zurück, zählt der Gewinn oder Verlust (Randnummer 53). Eine Liquidation schickt ein anderer ab; sie steht deshalb oft nicht in deinem Wallet, sondern nur in der Geschichte deiner Position.

Was muss ich für das Finanzamt aufheben?

Für jede Überlassung, wann sie begann und endete, welche Token es waren, wie viel Zinsen sie brachte und zu welchen Bedingungen (Randnummer 102). In der Steuererklärung steht die Summe deiner Einkünfte dieser Art im Jahr; wie sie zustande kommt, solltest du auf Nachfrage zeigen können. TaxMaxi rechnet jede Einzahlung und jeden Zins an seinem Tag und fasst sie im Bericht zusammen.

Quellen

Diese Seite erklärt, wie TaxMaxi rechnet. Sie ist keine Steuerberatung und ersetzt keine Steuerberaterin und keinen Steuerberater.

Bundesministerium der Finanzen

BMF-Schreiben vom 6. März 2025

Eine Abschrift des Schreibens, in dem das Bundesministerium der Finanzen festlegt, wie Finanzämter Kryptowerte besteuern. Die Absätze sind nummeriert; diese Nummern heißen Randnummern. Das Original ist oben verlinkt.

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